Das schwerste Objekt des Jahres
Ein echtes Schwergewicht ist dieser Tage im Museumsdorf eingetroffen: Ein Zwei-Tonnen-Findling, ursprünglich aus Ripdorf stammend, fand per Kran und Tieflader seinen Weg nach Hösseringen. Hier wird er – eine Dauerleihgabe des Museums- und Heimatvereins des Kreises Uelzen e. V. – künftig die Austellung „Steinreiche Heide“ bereichern. Die Freiluftausstellung im Museumsdorf widmet sich den vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten sowie der Herkunft von großen und kleinen Steinen und Findlingen, an denen die Lüneburger Heide außerordentlich reich ist. Viele von ihnen haben eine besondere Geschichte, so wie der „Schalenstein“ aus Ripdorf. Der große Granitfindling stammt ursprünglich von einem bronzezeitlichen Hügelgräberfeld bei Ripdorf. Im Zuge von Grabungen wurde er 1970 geborgen und versetzt, anschließend lag er viele Jahre im Schlosspark Holdenstedt. Gut sichtbar auf seiner Oberfläche sind viele eingepickte „Schälchen“, kleine Mulden mit einem Durchmesser von etwa fünf Zentimetern und einer Tiefe von etwa einem Zentimeter. Ihr Zweck ist bis heute nicht geklärt. Oft auch als Opfersteine bezeichnet, sind Schälchensteine ein in Europa weit verbreitetes Phänomen, das vor allem in der Bronzezeit (ca. 1800 – 750 v. Chr.) auftritt. Ihre Funktion ist unbekannt, häufig werden kultische Handlungen oder symbolische Markierungen vermutet. Vielleicht gibt es sogar Verknüpfungen bis in die Steinzeit, denn nicht selten werden die geheimnisvollen „Schälchen“ auch auf steinzeitlichen Monumenten entdeckt. So wie beim Großsteingrab aus Lehmke, welches ebenfalls im Museumsdorf zu finden ist. Es ist mit rund 5.000 Jahren älter als die Pyramiden in Ägypten und war von seinen jungsteinzeitlichen Erbauern mit einem Erdhügel bedeckt worden. Im Laufe der Jahre wurde die Erde nach und nach abgeschwemmt, so dass die großen Decksteine freilagen. Schon in der Bronzezeit muss das der Fall gewesen sein, denn die Menschen dieser Zeit arbeiteten auch hier „Schälchen“ ein – sie achteten die jahrtausendealten Monumente offenbar als bedeutende Orte.
Die Ausstellung „Steinreiche Heide“ wird derzeit überarbeitet und soll in der kommenden Saison wiedereröffnet werden. Gäste dürfen sich auf weitere neue Objekte freuen, und wer mit offenen Augen im Landkreis Uelzen unterwegs ist, wird am Wegesrand sicher noch den einen oder anderen „Schälchenstein“ entdecken.
Christine Kohnke-Löbert







