20 Jahre Klangrauschkonzert
Museumsdorf Hösseringen feiert Kulturgut Musik
20 Jahre Klangrausch im Museumsdorf Hösseringen. Auch die Gäste des Klangrauschkonzertes am Sonnabend Abend wollten es kaum glauben – obwohl treue Fans seit vielen Jahren immer wiederkommen, um die für Freilichtmuseen weit und breit ungewöhnlichste Veranstaltung zu erleben. „Handgemachte Musik wird im Moment erlebt und genossen. Sie in Museen dazustellen, ist kaum möglich. Deshalb schätzen wir uns glücklich, Musik als Teil der Kulturgeschichte präsentieren und zu ihrer Bewahrung beitragen zu können.“ Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm freute sich, dass der Brümmerhof auch zum diesjährigen Klangrauschkonzert mit begeisterten Gästen gefüllt war. „Vor 20 Jahren haben sich ein paar Verrückte zusammengetan, mit der Idee, dass Folk-Musik eine Brutstätte braucht, um sich zu entwickeln. Wir sind sehr dankbar, dass wir diese mit dem Museumsdorf Hösseringen gefunden haben“, sagte Klaugrausch-Gründungsmitglied Merit Zloch.
Moderator Matthias Branschke hatte zur Einführung extra zwei eigene Stücke herausgesucht, die vor Jahren entstanden sind, und sorgte im Duo mit Olle Gällmo für einen stimmungsgeladenen Einstieg.
Wie merkt man sich eine spontane Melodie-Idee? Folk-Musiker Jørgen W. Lang hat da so seine Methode: „Ich hatte plötzlich ein Motiv im Kopf und das hab ich abends ins Handy gepfiffen“, plaudert er aus dem Nähkästchen und führt gemeinsam mit Johannes Mayr vor, dass das eine zweckmäßige Vorgehensweise sein kann. Zwei Zwiefache erklingen, wunderbar interpretiert mit Nykelharpa und zehnseitiger Bouzouki.
Milena Hoge, die treuen Klangrausch-Fans seit Jahren bekannt ist und zum festen Team gehört, verzauberte mit der Harfe. Ihre Kombination von lieblicher Klangschönheit mit jazzigen Tönen hätten die Laien im Publikum von diesem Instrument nicht erwartet.
Auch vier Mitglieder des 40-köpfigen Jugend-Folk-Orchesters hatten es nach Hösseringen geschafft, ihre ganz persönlichen Hits im Gepäck. Mit drei Polonaisen in drei Tonarten bewiesen die jungen Künstler aus ganz Deutschland und Österreich ihr Können. Nach zehn Jahren erstmals wieder dabei war die „Wilde Kapelle“, die mit Johann Valentin Rathgeber einen fast vergessenen Komponisten des 18. Jahrhunderts aufleben ließ. Rathgeber war eigentlich Bendediktinermönch, verschwand jedoch für viele Jahre aus dem Kloster und schrieb heitere Lieder, die in der Sammlung „Ohren-vergnügendes und Gemüth-ergötzendes Tafel-Confect“ zusammengestellt sind. Die Gäste in Hösseringen hörten daraus allerlei Weisheiten über die Beschwerden des Ehestandes. Bewegend wurde es mit dem Lied „Schließ Aug und Ohr für eine Weil“ von Friedrich Gundolf, das aus dem Umfeld der Pfadfinder-Bewegung und der Weißen Rose stammt.
Den diesjährigen Volkslieder-Wettbewerb gewannen die „Thüringer Spielleute“, die von sich selbst sagen, „nicht schön, aber dafür laut“ zu singen. Das taten sie, mit spitz-frecher Volksmusik aus den Thüringer Landen, nicht jugend-, aber Gemafrei und vom Publikum gefeiert.
Christine Kohnke-Löbert
Impressionen vom 20. KlangRauschTreffen









