Ein Lokus für das Museumsdorf
Robert Manthey ist auf Walz und legt einen Stopp in Hösseringen ein
Dass heute sein Geburtstag ist, erwähnt er nur am Rande. Für Robert Manthey ist es ein Tag wie jeder andere, seit eineinhalb Jahren schon und auch jetzt während seines Aufenthaltes im Museumsdorf Hösseringen. Wobei derzeit eigentlich kaum ein Tag ist wie jeder andere, denn Robert Mantey ist auf Walz. Seit 2024 zieht er durchs Land, von Süd nach Nord und wieder zurück, Abstecher ins europäische Ausland gehören auch dazu. Drei Jahre und ein Tag soll die Wanderschaft dauern, so wie es gute Handwerkstradition ist.
Der seit heute 26-Jährige kommt aus der schwäbischen Alb. Nach dem Abitur, es war die Zeit der Corona-Pandemie, absolvierte er ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Holzwerkstatt und arbeitete dann zwei Jahre in Neuseeland. „Ich wollte gerne etwas Praktisches machen“, sagt er – und entschied sich statt fürs Studium für eine Schreinerlehre. Noch ein Jahr arbeitete er anschließend bei seinem Meister und dann ging es los auf Wanderschaft.
„Mich hat die Verbindung des Reisens mit den handwerklichen Traditionen fasziniert“, erzählt er. Deshalb hat er beispielsweise auch kein Handy dabei. Kürzlich arbeitete er einige Zeit im Weserbergland in einer Tischlerei, bei Flensburg baute er Tiny-Häuser. Davor war er im Rheinland unterwegs, inklusive Abstecher in das schweizerische Rheintal.
Die Reiseroute hatte Robert Manthey zunächst durchgeplant, aber „meistens kommt es anders, als man denkt“. Möglichkeiten für eine gute Arbeitsstelle ergeben sich oft spontan. Manchmal musste er auch eine Weile suchen. Zwischendurch finden immer wieder Treffen mit Kameraden statt, man verabredet sich längerfristig. Dann tauscht man sich natürlich aus, auch darüber, wo ein guter Meister zu finden ist. Und auch wenn sich dank moderner Technik viele Arbeitsgänge mittlerweile vergleichen lassen, ist die Arbeitsweise an verschiedenen Orten doch immer anders. „Jeder Meister hat andere Fokuspunkte für seine Projekte. Ob es um Innenausbau, Möbelbau oder Zimmereiarbeiten geht, man lernt immer etwas Neues“, fasst Robert Manthey zusammen. So auch im Museumsdorf Hösseringen. Hier baute der junge Schreiner einen historischen Lokus wieder auf. Dieser vervollständigt nun das Ensemble rund ums Kötnerhaus aus Bahnsen. „Ich stand an der Straße, um zu trampen. Da gab mir zufällig jemand den Tipp, es im Museumsdorf zu versuchen“, erzählt er. Es war zwar Montag und das Museum geschlossen, aber ein erstes Gespräch fand trotzdem statt – mit der Auskunft, dass es in Hösseringen immer etwas zu tun gibt. Eineinhalb Wochen Arbeit wurden schließlich daraus, verbunden mit einer besonders schönen Unterkunft im Treppenspeicher. Das ist nicht selbstverständlich. Schon manches Mal hat Robert Manthey draußen übernachtet. Aber das sei schon in Ordnung, „ich habe immer alles dabei“. In der Regel jedoch ergebe sich mit der Arbeitsstelle auch eine Unterkunft – ob bei der Schwiegermutter des Meisters oder im Hinterzimmer des Meisterbüros. Ein historischer Treppenspeicher ist natürlich etwas ganz Besonderes.
Gut 100 Jahre alt ist der Lokus, den er im Museum aufgebaut hat. Alle Teile waren eingelagert und wurden in historischer Art und Weise zusammengefügt. Fehlende und stark zerstörte Teile ersetzte Robert Manthey. Erfahrungen mit historischen Bauten sammelte er schon oft, insbesondere in der Schweiz. Finanziell hält er sich mit seinen Arbeitsstellen gut über Wasser. „Ich habe ja wenig Ausgaben, weder Auto noch Handy kosten Geld“, fasst er zusammen. Die Zeit vergehe sehr schnell. Noch ein paar Wochen möchte Robert Manthey in der Lüneburger Heide bleiben, dann soll es nach Berlin gehen. Ein Treffen mit anderen Wandergesellen steht an. Auch für die Zeit nach der Wanderschaft hat er bereits Pläne: Den Meister machen und in die Heimat zurückkehren. „Vielleicht findet sich ein Betrieb“, hofft er. Vorher aber findet für ihn und seine Wanderfreunde noch eine Führung durch das Museumsdorf statt. Kostenlos natürlich. Dann geht die Reise weiter.
Zum Abschluss des Tages wird es noch einmal richtig laut: Büchsen knallen und weißer Rauch zieht über die Baumwipfel von dannen.
Christine Kohnke-Löbert
Weitere Bilder





